Ein Wildtierfoto an der Wand einer Galerie in Kozhikode erzählt eine Geschichte, die weit über Südindien hinausreicht und vielen von euch in Deutschland vertraut vorkommen dürfte – gerade, wenn ihr Wert auf Geduld, handwerkliches Können und Zeit im Freien legt. Das Bild zeigt einen Schneeleoparden im Himalaya, aufgenommen von Sathrajith Karad nach jahrelanger Arbeit, und war Teil der jüngsten Ausstellung ‚Kaananam: The Rhythm of Wild‘ in der Kerala Lalitha Kala Akademi Art Gallery.
Abseits von Bergkämmen und vereisten Klippen wirkt Sathrajiths Alltag deutlich unspektakulärer. Mit 46 Jahren leitet er ein Reifenservice-Unternehmen namens Hari Tyre Clinic in Ramanattukara – ein bewusst gewählter Name, der für Sorgfalt und Präzision steht statt Geschwindigkeit. Zehn Monate im Jahr arbeitet er dort viele Stunden, oft auch an Feiertagen, mit einem klaren Ziel vor Augen.
Zwei Monate verdient in der Wildnis
Diese Disziplin ermöglicht es Sathrajith, sich für zwei Monate zurückzuziehen und durch Indiens Wälder zu reisen – von Keralas immergrünen Hügeln über Tierreservate wie Bandipur, Tadoba und Gir bis hin zu den weiten Landschaften von Kutch und dem Nordosten.
Lange bevor die Fotografie zum Mittelpunkt seines Lebens wurde, prägte ihn die Zeit in der Natur. Wanderungen mit der Youth Hostels Association of India und Naturschutzaktionen mit der Kerala Sasthra Sahitya Parishad stärkten früh seinen Respekt vor Ökosystemen – eine Haltung, die sich später auch in seiner Arbeit mit der Kamera zeigt. Vielen von euch in Deutschland, wo Wandern und Naturschutz fest verankert sind, wird diese Verbindung zwischen früher Prägung und lebenslanger Leidenschaft bekannt vorkommen.
Jahrelanges Warten auf einen Moment
Für seine erste Profikamera musste er drei Jahre sparen und stieß dabei nicht selten auf Unverständnis. Mit einer Canon 50D kam der Wendepunkt, und die Inspiration durch Fotograf KJ Vincent bestärkte ihn, auf den richtigen Moment zu warten. Manche Erfolge brauchten Zeit – etwa die Begegnung mit einem Bengal-Tiger nach jahrelanger Suche, bevor das prägende Treffen mit einem Schneeleoparden in Ladakh gelang.
Obwohl inzwischen Pläne, die Masai Mara in Kenia zu fotografieren, ruhen, während er für seine Familie ein Zuhause baut, spielt Bedauern für ihn keine Rolle. Nicht Vergleiche, sondern Bedeutung sind sein Maßstab für Erfolg – treffend formuliert in seinen eigenen Worten: Erinnerungen mitnehmen, Spuren hinterlassen.